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Familie und Beruf – Warum es doch geht

Wirklich. Ich kann es nicht mehr lesen. Jeden Tag geistert im WWW ein weiterer Artikel zum Thema Beruf und Familie umher. Es ist DAS Thema überall. Logisch. In den Medien ist präsent, was gerade in der Politik im Gespräch ist. Und jeder möchte seinen Senf dazu geben. Es gibt die ermutigenden Artikel. Jene Beiträge, die es den zukünftigen Eltern ermöglichen mit einem zwinkernden Auge in das ausstehende Abenteuer zu blicken und dann gibt es noch die Sorte Artikel, die Angst machen und vielleicht eher noch dafür sorgen, dass sich weiterhin immer mehr arbeitstätige Frauen und Männer gegen Nachwuchs entscheiden.

Heute bin ich auf einen Artikel von zwei ZEIT-Journalisten gestoßen, dessen Titel mich direkt dazu brachte draufzuklicken und auch drei Seiten gebannt zu lesen: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Geht alles gar nicht„.  und schreiben hier in über 2000 Wörtern darüber, dass das Gerede von Vereinbarkeit, von Organisation eigentlich alles Quatsch ist und versuchen es auf die sogenannte „ehrliche“ Art. Und hier konnte ich dann wirklich nicht mehr widerstehen, meinen Senf dazuzugeben.

Ich bin seit April letzten Jahres mit dem Studium fertig. Habe aus persönlichen und privaten Gründen leider etwas länger gebraucht, als ich gerne hätte. Karrierekiller? Wir werden sehen. Seit Februar zumindest habe ich bereits einen Job und verdiene mein eigenes, gutes Geld. Ich bin verheiratet. Mit einem Mann, den ich schon mit 19 Jahren kennen gelernt habe. (Ja, in der heutigen Zeit exotisch). Er ist ebenfalls berufstätit.Hat auch studiert. Wir sind beide in einem Alter, in dem Kinderkriegen nichts ungewöhnliches wäre, was auch sicher in naher Zukunft ansteht. (Einfach mal als Eckpunkte)

Laut den Autoren, können Väter sogar Sonntags auf dem Bolzplatz nicht von ihrem Beruf abschalten.

Sonntagmorgen, irgendein Bolzplatz in Deutschland. Fußball mit anderen Vätern und deren Kindern. Der eigene Sohn hat sich die ganze Woche darauf gefreut. Man selbst auch. Und dann steht man auf dem Platz und spielt irgendwie mit, aber eigentlich ist es nur eine Hülle, die da spielt, denn die Gedanken sind ganz woanders. […] Und dann kommt man nach Hause und fragt sich, warum es schon wieder nicht möglich war, sich wenigstens diesmal vollständig einzulassen auf das Spiel; warum man nicht abschalten konnte. Aber dann liegt da das Smartphone, und sein rotes Lämpchen blinkt unaufhörlich, also greift man danach und liest und fängt an zu tippen. Und hört gar nicht mehr, wie der Sohn fragt, ob man das Tor gesehen habe, das er vorhin geschossen habe.

Nun stellt sich jedoch direkt die Frage: Woran liegt das? Die beiden Herren stellen sich selber die gleiche Frage und zwar direkt nachdem sie das geschossene Tor ihrer Sprösslinge verpasst haben. Liegt die Antwort nicht direkt auf der Hand und wird beim Weiterlesen direkt sichtbar? „Aber dann liegt da das Smartphone, und sein rotes Lämpchen blinkt unaufhörlich, also greift man danach und liest und fängt an zu tippen.“ Und kann das Smartphone etwa nicht einfach zu Hause gelassen werden? Oder einfach umgedreht werden, um das rote, blinkende Lämpchen aus dem Blickfeld zu verlieren? Wenn die Autoren hier behaupten „Das geht alles nicht“, sollte nicht eigentlich die Aussage lauten „Das wollen wir alles nicht“? Ist die daurhafte Erreichbarkeit in unserer Gesellschaft nicht ein hausgemachtes Problem? Und geht dabei das Fußballspiel des Sohnes drauf, sollte der Vater dann sauer auf seinen Chef, sein blinkendes Smartphone oder doch lieber sich selber sein, weil er einfach die Finger nicht davon lassen konnte?

Also tüfteln wir mit unseren Partnerinnen einen Plan aus, gleichen die Terminkalender ab, die Woche im Halbstundentakt. Wer kümmert sich wann um die Kinder? Wer bringt sie zum Geburtstagsfest des Freundes? Wer fährt sie am Wochenende zum Turnier? Hier quetschen wir noch eine Stunde Sport rein, donnerstags geht sie zum Chor, da musst du um sieben da sein! Die Familie wird zur Fahrgemeinschaft, aus Paaren werden Partner in der Logistikbranche.

Und dann wird er gemacht – der PLAN. Ich oute mich hier direkt als eine Verächterin von jedweder starren Planung. Denn: das Leben kommt immer dazwischen. Selbstverständlich geht es mit Kindern und zwei berufstätigen Eltern nicht ohne Planung. Aberhier widerspreche ich den Autoren vehement, wenn sie behaupten die Grenze zwischen Arbeitszeit und privater Zeit sei längst durchlässig geworden. Warum? Die gilt sicherlich für einige Berufsgruppen, auch Führungskräfte haben erreichbar zu sein, allerdings kann man diese Aussage meiner Ansicht nach nicht pauschal in die Runde werfen. Für mich gibt es sehr wohl eine Grenze zwischen Arbeitszeit und privater Zeit – meine private Zeit gehört mir, zur Zeit auch noch meinem Partner, sobald ich Kinder habe auch denen, aber sicherlich nicht zu jeder Zeit auch meinem Arbeitgeber. Ist Not am Mann – ja, dann muss auch in der privatne Zeit Flexibilität gezeigt werden. Aber ist hier nicht die Kür, die Arbeit hinter sich zu lassen, sobald die Wohnung betreten wird? Ich möchte hier auch anmerken: Selbstverständlich gilt dies nicht für jede Berufsgruppe. Ich möchte hier nicht pauschalisieren, sondern nur darauf aufmerksam machen: Es geht doch!

Aber warum ist es nur so verdammt schwer, Kinder und Ehe und Beruf unter einen Hut zu bekommen? Warum sind wir erschöpft und müde und einfach erledigt, warum haben wir ständig das Gefühl, dass wir zu wenig Zeit für alles haben: für die Kinder, für den Job, für die Partnerin, für uns selbst?

Ja warum? Vielleicht, und das hier ist lediglich eine Annahme, weil wir es uns selber so schwer machen?

Sprechen wir also über Erwartungen. Auch früher gab es Erwartungen an Väter und Mütter, aber sie waren klarer und eindeutiger, weil es auch klare und eindeutige Rollen gab. Heute dagegen gibt es unendlich viele Erwartungen, weil es unendlich viele Möglichkeiten gibt, eine gute Mutter und ein guter Vater zu sein, und deswegen scheint es das Beste zu sein, einfach alle Erwartungen zu erfüllen.

Ja, wir machen es uns schwer. Wir geben uns Erwartungen hin. Hier gebe ich den beiden Herren sogar Recht. Die Erwartungen sind unendlich geworden. Die Wahrscheinlichkeit sie zu Erfüllen, zumindest in ihrer Gänze, geht dann doch leider gegen Null. Die Lösung wäre nur so einfach: Erwartungen Erwartungen sein lassen und einfach nach vorne schauen. Warum muss es mir wichtig sein, was andere Menschen von meinen Lebensentscheidungen halten? Ja, ich habe studiert. Nein, ich will keine Karriere machen. Nein, es kommt mir nicht so vor, als ob ich Zeit zum Studieren vergeudet habe. Nein, es ist nicht falsch, nach dem Studium nur ein bis zwei Jahre im Beruf zu sein und dann Kinder zu bekommen.

Aber in Wahrheit ist es doch so, dass die Grenze zwischen Arbeitszeit und privater Zeit längst durchlässig geworden ist, weil man immer erreichbar sein muss und, ja, auch immer erreichbar sein will. Die moderne Arbeitswelt hat sich enorm beschleunigt und gleichzeitig verdichtet, alle erleben das. Die Familienpolitiker aber lassen einen glauben, dass es gar nichts ausmachen würde, wenn dann noch ein Kind dazukommt.

Und hier kommt meine Lieblingsaussage, die im Grunde den Artikel zusammenfassen kann: „[W]eil man immer erreichbar sein muss und, ja, auch immer erreichbar sein will“. Nein. Ich will nicht immer erreichbar sein. Ich habe noch keine Kinder. Aber ich arbeite um zu leben. Ich lebe nicht um zu arbeiten. Ich will, dass meine Arbeit mir Spaß macht und mich erfüllt. Ich will mit 67 aber nicht zurückblicken auf ein Leben, welches ganz ohne spannende Erlebnisse und „Quality Time“ mit der Familie, nur aus Arbeit bestand.

Hier liegt auch die Quintessenz des Problems unserer Gesellschaft: Kinder bzw. Familie und Beruf zu vereinbaren ist nicht unmöglich – die Frage ist der Wille. Bin ich gewillt mich nicht mehr nur durch meine Arbeit ausfüllen zu lassen? Bin ich gewillt mein Smartphone zur Seite zu legen, um meinem Sohn beim Fußballspielen zuschauen zu können.

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