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Saramago’s doppelter Jake Gyllenhaal – „Der Doppelgänger“ oder „Enemy“

José Saramago’s Literatur ist keine leichte Kost. „Der Doppelgänger“ ist da auch keine Ausnahme. Der übliche Kampf des Protagonisten mit seiner Umwelt/Gesellschaft und ein Satzbau bei dem Punkte Mangelware sind.

ISBN: 978-3-455-81268-8 Verlagsbereich: Belletristik Einband: ePub Produktart: ebook Erscheinungsdatum: 30.04.2014 Übersetzung: Marianne Gareis
ISBN: 978-3-455-81268-8 // Verlagsbereich: Belletristik // Erscheinungsdatum: 30.04.2014 // Übersetzung: Marianne Gareis

Tertuliano Máximo Afonso ist ein arg melancholischer, teils depressiv wirkender Geschichtslehrer, der vom Mathematiklehrerkollegen eine Filmempfehlung erhält. Obwohl er kein wirklicher Filmfan ist, leiht Tertuliano sich den Film aus und stolpert über einen Pagen, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Und nicht nur das: Er sieht wirklich aus wie er selber. Würde man die beiden nebeneinander stellen, keiner würde erkennen können, wer der Geschichtslehrer und wer der Schauspieler ist. Obwohl der „gesunde Menschenverstand“, mit dem Saramago die Geschichte ausschmückt, Tertuliano davon abrät, ist dessen Neugier über diese „Anomalie“ und die Wahrheit hinter dieser verrückten Begebenheit zu groß, so dass er seine detektivische Arbeit aufnimmt.

Das Buch ist unglaublich kurzweilig – sobald die erste Hürde überwunden ist und man sich an den außergewöhnlichen Schreibstil des Autors gewöhnt hat, kann man es nicht mehr abwarten, man will wissen wohin Tertulianos Weg ihn führen wird und was es mit diesem „Doppelgänger“ auf sich hat. Gespickt ist die Geschichte mit unzähligen Metaphern, deren Bedeutung möglicherweise jedoch erst beim zweiten Lesen wirklich erkannt wird. Insgesamt konnte ich Saramago die 130 Seiten, in denen Tertuliano unzählige Videos sichtet um den Namen seines Doppelgängers zu finden verzeihen, denn er hat mich in seinen Bann gezogen und das erwarte ich von einem guten Buch.

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Jake Gyllenhaal in „Enemy“

Und dann ist da der Film. Ja. Wie viele Filme gibt es bereits, die auf Büchern beruhen? Mittlerweile werden sogar Bücher zu TV-Serien gemacht. Und immer wieder das gleiche Spiel: Aufregung über die Änderungen, die Unterschiede, die fehlenden Details. Denis Villeneuve’s Film hat mich sprachlos das Kino verlassen lassen. Ich würde sagen, der Film ist nicht das Buch, aber der Film hat seine Inspiration in der Buchvorlage gefunden. Die Namen wurden geändert: Aus Tertuliano Máximo Afonso wurde Adam Bell und aus seinem Doppelgänger António Claro/Daniel Santa-Clara wurde Anthony Claire/Daniel Saint Claire. Der Film spielt in Toronto und es wurde eine essenzielle Szene hinzugefügt, die im Buch nicht vorkommt. Jake Gyllenhaal ist absolut genial in seiner Doppelrolle – er spielt den melancholischen, psychisch labilen Geschichtslehrer, sowie den kalten, abgebrühten Schauspieler so glaubwürdig, man könnte fast meinen, es sei ein und dieselbe Person mit verschiedenen Persönlichkeiten. Und das ist doch die Frage, sowohl im Buch, als auch und vor allem im Film: Ist es tatsächlich die Geschichte über einen Menschen, der seinen Doppelgänger trifft, oder ist es nicht vielmehr die Geschichte über den Kampf eines Individuums mit sich selber, mit sich und seinen zwei Seiten…

Was ist besser? Kann man so eine Frage überhaupt richtig beantworten? Ich würde immer zuerst das Buch lesen – erst die eigene Fantasie ankurbeln und dann Vergleichen, wie ähnlich oder eben nicht die Verfilmung dieser ist. Denis Villeneuve hat aus der Geschichte seinen eigenen Film gemacht. Aber nichts anderes habe ich erwartet: Wie soll auch ein einzelner der Fantasie von Vielen gerecht werden?

Also: Lest das Buch, dann schaut den Film. Beides ist zwar keine leichte Kost, aber muss es doch auch nicht immer sein und ich bin mir sicher, ihr werdet genauso wie ich sprachlos das Buch zuschlagen und/oder das Kino verlassen und noch am nächsten Tag über das Buch, den Film, Jake Gyllenhaal, Saramago, Tertuliano und António nachdenken…

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Vielen Dank an den Hoffmann und Campe Verlag für diese tolle Aktion, das eBook und die Freikarte!

 

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