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Die Katze ist aus dem Sack – Und meine Rechte?

Von dem kleinen Würmchen das im Juli bei uns einziehen wird, haben wir im November erfahren. Im karibischen Paradies, auf Aruba. Unsere zwei wohlverdienten Wochen Urlaub hatten gerade angefangen und drei Tage später stand ich in einer arubischen Apotheke und kaufte einen Test. Die zwei Striche auf dem Test brauchten auch keine zwei Minute um sich zu zeigen, schnell war klar: Ja, ich war schwanger. Könnte meinen unglaublichen Schlafdrang und Heißhunger auf Zwiebeln erklären, dachte ich kurz. Ich kann auch nicht verschweigen, dass meine Knie sich zunächst anfühlten wie Wackelpudding. Ja, wir wollen ein Baby. Ja, es war irgendwie quasi fast geplant. Eine Überraschung war es zunächst allerdings trotzdem. Die nächsten Strandtage wurden in vollen Zügen genossen – der letzte große Urlaub zu Zweit. Namen haben wir besprochen. Meine Arbeitspläne. Aber wir hatten ja noch Zeit. Es war ja noch hin, bis ich es meinem Arbeitgeber sagen „musste“. „Müssen“ ist dabei auch das falsche Wort. Gesetzlich wird einer Frau nahegelegt alsbald von der frohen Kunde zu berichten, gesellschaftlich und medizinisch wird geraten die ersten drei Monate zu warten, bis das Risiko schrumpft.

Ich beneide alle Frauen, die solche Nachrichten lange für sich behalten können. Familie und engste Freunde wussten innerhalb von drei Woche nach dem „verhängnisvollen“ Test Bescheid. Meinen Teamleiter habe ich Mitte Dezember informiert – eher unfreiwillig, aber lügen schien mir in der Situation (er lud mich auf einer Geschäftsreise nach dem Meeting auf ein Bier ein) unfair. Offiziell, ja so ganz offiziell weiß mein Arbeitgeber und damit meine ich selbstverständlich vor allem unsere Personalabteilung erst seit Freitag davon. Ja, ich nutzte den Tag, der von vielen noch als Brückenurlaubstag genommen wurde und die Ruhe im Büro, um die Katze aus dem Sack zu lassen.

Oh habe ich im Weihnachtsurlaub das Mutterschutzgesetz studiert. Meine Rechte quasi fast auswendig gelernt. Ich wollte mich auf gar keinen Fall im Nachteil befinden. Vielleicht gehört zum besseren Verständnis hier auch noch die kleine Randnotiz hin: Mein Vertrag wurde erst Anfang Dezember entfristet. Als Arbeitnehmerin, da war ich mir sicher, wäre ich jetzt für meinen Arbeitgeber nur noch ein lästiger Klotz am Fuß, ein unnötiges Anhängsel, ein frühdezemberlicher-Fehler. Gut, ganz so schlimm ist es nicht geworden. Ein „Herzlichen Glückwunsch“ gab es nicht. Jedoch auch keine bösen Worte. Die Katze ist aus dem Sack und mir eine Last von der Seele gefallen.

Für alle die sich in einer ähnlichen Situation befinden und kurz vor der Verkündung ihrer guten Nachricht stehen, habe ich hier ein paar wichtige Eckpunkte des deutschen Mutterschutzgesetzes zusammengefasst und versucht etwas verständlicher zu machen. Wichtig zu wissen ist: Es obliegt natürlich jeder Frau selber, ihre Rechte durchzusetzen. Leider, aber verständlicher Weise wird kaum ein Arbeitsgeber angerannt kommen und sie einem auf dem Silbertablett servieren.

Mutterschutzgesetz

  1. Mitteilungspflicht: Es wird zwar in §5 MuSchG nahe gelegt, den Arbeitgeber zu informieren, sobald man als werdende Mutter Bescheid weiß – dies ist jedoch keine Pflicht, wie manch werdende Mutter im Internet glaubt, sondern lediglich eine Handlungsempfehlung. Es bleibt immer noch jeder Frau selbst überlassen, wann für sie der richtige Zeitpunkt ist dem Arbeitgeber von der Neuigkeit zu erzählen.
  2. Arbeitsplatzgestaltung: Muss man ständig stehen, darf man sich mehrmals für kurze Zeiten (ca. 5 Min) hinsetzen/-legen. Diese kurzen Pausen fallen zudem nicht unter die normale Pausenzeit und müssen nicht nachgearbeitet werden. Muss man ständig sitzen, darf man mehrmals für kurze Zeiten (ca. 5 Min) aufstehen. (§ 2 MuSchG)
  3. Mehrarbeit: Überstunden sind quasi verboten. Eine werdende Mutter darf pro Tag maximal 8,5 Stunden arbeiten (Pausenzeit exklusive), oder insgesamt 90 Stunden/Doppelwoche. Hier gilt laut einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes (Aktenzeichen 1 AZR 96/58): Bei Überschreitung bereits einer dieser Grenzen liegt verbotene Mehrarbeit vor. Im Klartext: Nein, der AG kann nicht von einer Schwangeren verlangen an einem Tag 10 Stunden zu arbeiten, nur weil die 90 Stunden/Doppelwoche noch nicht voll sind. (§ 8 MuSchG)
  4. Freistellung für Untersuchungen: Können Untersuchungen nicht in der arbeitsfreien Zeit stattfinden, muss der Arbeitgeber die Arbeitnehmerin für diese freistellen und diese Zeit muss nicht nachgearbeitet werden. Zudem darf auch kein Entgeltausfall entstehen. (§ 16 MuSchG)
  5. Erholungsurlaub: Selbstverständlich haben Frauen vor ihrer Elternzeit noch Anspruch auf anteiligen Erholungsurlaub. Dieser berechnet sich nicht, wie oft angenommen nur bis zum Beginn des Mutterschutzes 6 Wochen vor der Geburt, sondern bis zum Ende des Mutterschutzes 8 Wochen nach der Geburt. Im Klartext: Am 6.6. startet der Mutterschutz, Geburtstermin ist 18.07., kommt das Baby pünktlich geht der Mutterschutz zum 12.09. zu Ende. Der Urlaub berechnet sich wie folgt: 26 Urlaubstage / 12 Monate = 2,16/Monat*9 Monate = 19,5 Tage. Dies liegt einfach daran, dass Ausfallzeiten wegen mutterschutzrechtlicher Beschäftigungsverbote als Beschäftigungszeiten gelten. (§ 17 MuSchG)

 Wie haben denn Eure Arbeitgeber auf die freudige Nachricht reagiert?

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