Baby-Welt · Schwangerschafts-Welt

Warum die Schwangerschaft manchmal gehörig nervt – und warum das ok ist

pregnant-393364_1920Der Wecker klingelt, ich öffne langsam meine Augen. Die Zeit des Aufspringens beim ersten Klingeln ist vorbei – außer ich habe Lust mich danach wieder auf das Bett sacken zu lassen, die Hände an die Schläfen zu legen, die Augen zu schließen und zu warten bis der Schwindel endlich wieder aufhört. Die Müdigkeit lässt nicht nach – zu wenig Schlaf, die drei Toilettengänge in mancher Nacht machen sich spürbar. Tiefschlafphasen? Ob ich die überhaupt noch habe? Langsam schäle ich mich aus meinem Bett und stehe auf. Ein Ziehen geht durch meinen Hintern bis zum Oberschenkel hinunter. „Guten Morgen lieber Ischias, auch wieder wach?“, begrüße ich den Nerv, den ich bis zur Schwangerschaft nicht ein einziges Mal gespürt hatte. In den letzten 3 bis 4 Wochen sorgt er jedoch dafür, dass ich nie vergesse, dass es ihn gibt.

Ich nehme einen Schluck Wasser, zu viel Kohlensäure, Übelkeit, ich versuche sie weg zu atmen und überlege ob ich vor dem Zähneputzen nicht doch etwas essen sollte. Ja, ich als notorische Spätfrühstückerin. Entscheide ich mich dagegen, kann es passieren, dass die Übelkeit noch ein wenig länger zu Besuch bleibt. Ist auch so schön kuschelig bei mir…

Ein Blick in den Spiegel. Früher kaum Probleme mit Pickeln gehabt, muss ich mich jetzt tatsächlich mit Dingen wie dem richtigen Make-Up-Ton zu meiner Haut beschäftigen. Ich, die immer nur Wimperntusche getragen hat, vielleicht mal ein bisschen Lidschatten und Lippenstift. Aber ich will ja meine Umwelt nicht erschrecken, also kleistere ich meine Pickel weg und hoffe, dass ich nicht zu vollgeschminkt aussehe – wie soll ich das auch einschätzen können, so als prinzipielle Make-Up-Verächterin (ich mag es wenn meine Haut atmen kann). Ich beschließe abends eine Gesichtsmaske zu machen, vielleicht hilft das ja. Danke kleine Bauchbewohnerin, danke liebe Hormone…

Sollte ich nochmal? Ein letzter Toilettengang vor dem Verlassen der Wohnung um dem 57 minütigen Arbeitsweg mit der einzigen Option die Toilette einer Regionalbahn verwenden zu können ist unumgänglich. Dann endlich an die frische Luft. Sauerstoff, im Zug ein wenig Lesen, entspannen und merken: Der gute Ischias mag es nicht wie ich gerade sitze. Der Po wird hin und hergeschoben, bis die Sitzposition ein wenig angenehmer ist und ich trinke genüsslich meinen Milchkaffee. Ja, die eine Tasse an Arbeitstagen lasse ich mir nicht nehmen.

Auf der Arbeit frage ich mich dann: Wie soll ich die 8 Stunden Bürostuhl ertragen? Der Rücken meldet sich, den Ischias kann man ja nicht vergessen und alle zwei Stunden ein Toilettengang müssen nun mal sein, anders geht es gar nicht. Dann die große Frage: Was esse ich zu Mittag? Im Geist gehe ich mein Frühstück durch, frage mich ob ich genug Obst gegessen habe und schaue auf gängigen Seiten der umliegenden Metzger und kleinen Lebensmittelläden, was denn so im Angebot ist (leider haben wir keine Kantine). Dort ist Mozzarella drin, muss ich wieder fragen ob der denn auch pasteurisiert ist, hier auf dem Sandwich Salami, geht gar nicht, roher Lachs – nope, Thunfisch – haha.

Der Kopf meldet sich mal wieder. Zu wenig getrunken. Ich weiß ich weiß, kleine Bauchbewohnerin, wir müssen auf uns Acht geben und uns besser versorgen. Also Kräutertee kochen, eine Orange schälen, abends wird dann noch Fisch gegessen. Nicht zu vergessen die guten Folsäure-Tabletten, denn wie haben das die Frauen nur die ganzen Jahre früher geschafft ohne zusätzliche Tabletten gesunde Kinder auf die Welt zu bringen?!

Nach der Arbeit, auf dem Heimweg fallen mir dann bereits die Augen zu. Seit die kleine Bauchbewohnerin da ist erinnert sie mich auch ständig daran, dass wir jetzt zu zweit sind und mein Körper mein Tempel sein sollte, ich diverse Gänge zurückschalten sollte, mir mehr Zeit für mich und beispielsweise meinen Schlaf nehmen sollte und ja nicht, ja nicht mehr als 3 Stunden am Stück nichts essen sollte… Kann das bitte jemand noch meinem Arbeitgeber mitteilen, dass ich jetzt mehr Zeit für mich brauche, aber auch mein volles Gehalt?

Wenn ich dann abends nach dem obligatorischen Einölen von Bauch, Brüsten und Po (man will ja nach der Schwangerschaft nicht ganz so bescheiden aussehen) ins Bettchen falle, dann streiche ich über meinen Bauch und lächele vor mich hin. So anstrengend manche Aspekte am Schwanger sein auch sind, so wunderschön ist doch die Vorstellung irgendwann im Juli mein kleines Baby im Arm zu halten.

Es ist auch ok mal zu sagen „ES NERVT!“, das haben wir uns verdient liebe Mitschwangere ;).

Was nervt euch denn am meisten an eurer Schwangerschaft? Und gibt es vielleicht auch Dinge mit denen ihr so nie gerechnet hättet und die euch negativ oder auch positiv überrascht haben?

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15 Kommentare zu „Warum die Schwangerschaft manchmal gehörig nervt – und warum das ok ist

  1. Du sprichst mir aus der Seele! Trotz absolutem Wunschkind waren die ersten 5 Monate bei mir nur grausam- Dauererbrechen, wochenlang krankgeschrieben und nur das Sofa besichtigt, im weiteren Verlauf dann noch diverse Wehwehchen- irgenwann war ich kurz davor, depressiv zu werden und einen Hauskoller zu kriegen! Hat sich ab dem 6. Monat zum Glück alles gebessert.
    Mittlerweile kann ich die Schwangerschaft meist genießen, aber es gibt neue Sachen -Ischias, Sodbrennen, wiederaufflammendes Erbrechen etc- die einfach nerven!

    Am lästigsten ist mein (seit Wochen kaum vorhandener) Schlaf: todmüde ins Bett gehen- meist stundenlang Wachliegen- irgendwann nach Mitternacht einschlafen- pünktlich um 3 Erwachen- erneutes Einschlafen nicht mehr möglich. Stattdessen lesen, bis ich nach 2-3 h wieder einpenne (Amazon freut sich bestimmt über den durch übermäßigen E-book-Konsum bedingten Mehrumsatz). Das blöde daran: der Wecker für die Arbeit klingelt um kurz nach 6 . Yeah! Muss ich erwähnen, dass ich dann ein Gute-Laune-Monster bin?

    Ansonsten schiele ich leicht neidisch auf diese rosa Wolken mit sprühenden Herzchen, die manche Schwangere scheinbar umgeben. Bei mir sind das einzig Bunte meine schicken blauen Augenringe.
    Aber ich weiß aus der Erfahrung der ersten Monate: es geht viel schlimmer. Und vielleicht ist bei den 1000-Watt-dauerstrahlenden Mommys to be auch nicht alles nur rosig…

    LG

    1. Oh je du arme! Wenigstens blieb mir das Erbrechen erspart. Aber ja, dieser „Schwangerschaftsglow“ von dem soviele erzählt haben fehlt bei mir immer noch – ist nichts mit „Du strahlst ja so von innen“ ;). – ob das je eintreten wird!?
      Bei mir klingelt der Wecker auch um kurz nach 6 und ich bin bestimmt mindestens ein genauso großes Gute-Laune-Monster wie du morgens – dieses ständige auf Toilette müssen *aaaaargh* :-/

      Ich musste den Post auch gerade aus dem Grund verfassen, dass ich es Leid war überall mit dem „perfekten Bild einer Schwangeren“ konfrontiert zu werden – es ist eben nicht alles „rosa Wolken mit sprühenden Herzchen“ und Kribbeln im Bauch und voller Liebe – ganz und gar nicht und ich finde das auch voll in Ordnung und das bedeutet ja nicht, dass man sich nicht auf sein Baby freut, nur weil man einfach mal zu dem Punkt kommt, an dem man sich mal beschweren und alles rauslassen möchte 🙂

      Meine Augenringe schicken liebe Grüße an deine 😉

    1. Hihi, ich auch nicht – meine Schwägerin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man den Po doch mit einölen sollte – ich muss aber zugeben, mich nervt dieses Ölen schon ganz gewaltig, wehe der ganze Aufwand bringt nix 😉

  2. Ich bin noch recht am Anfang der Schw. Zum Glück ohne größere Beschwerden. Keine Übelkeit, Müdigkeit ist ab und an schon mehr als üblich, aber noch im Rahmen. Mein Körper ekelt sich gerade ganz allein vor Kaffee, Cappuchino und Co. Und auf dieses Salami, Mozarella verzichten Ding, achte ich jetzt auch nicht unbedingt so. Bei Mozarella habe ich neulich gelesen, dass der unter irgendwas spezielles fällt und man den deshalb eh essen kann. Als ich meiner Mutter erzählte, dass man gewisse Sachen vermeiden sollte zu essen, war sie ganz erstaunt. Früher war sowas anscheinend nicht bekannt 🙂 Und ich bin auch groß geworden.
    Das einzige was mich richtig nervt sind die großen und schmerzenden Brüse und die Unlust auf den Parnter. Das war vorher komplett umgekehrt und ich hoffe es wird auch mal wieder besser.

    1. Herzlichen Glückwunsch :). Uh, so beneidenswert – ich hoffe das wird alles einfach genauso glatt weiter laufen bei dir ;).
      Die Müdigkeit hat mich tatsächlich von Beginn an begleitet, die Übelkeit kam so im dritten Monat, die Kopfschmerzen, die jetzt aber zum Glück wieder weg sind (toitoitoi) kommen wohl vom Schlafmangel und Arbeitsstress, dem versuche ich jetzt Sport und Entspannung entgegen zuwirken. Alkohol hat mich auch recht schnell geekelt, jetzt bin ich aber wieder in einer Phase wo so Gläschen Sekt lecker wäre, aber auch wenn die ein oder andere mein ein Gläschen schadet nix, könnte ich das mit mir nicht vereinbaren – also ist Kaffee meine einzige Sünde :).
      Meine Mama hat auch sehr erstaunt geschaut, gut vieles wusste man damals ja noch nicht :), aber es is schon richtig, aus uns ist doch trotz allem was geworden!

      Mit der Unlust das kenne ich leider auch und ich kann dir sagen das wird wirklich besser. Die ersten drei Monate sind einfach eine enorme hormonelle Umstellung, ab dem 4. geht’s dann wieder bergauf 🙂

  3. Hallo liebe Klaudia!

    Durch ein Forum bin ich auf deinen Blog aufmerksam geworden und war neugierig! 🙂 Ich musste so oft schmunzeln, hab genickt und laut vor mich hingemurmelt „Ja, das kenn ich!“ 🙂

    Es tut gut zu wissen das man nicht alleine ist! Denn in seinem direkten Umfeld ist man das leider oft. Viele gute Ratschläge, mach das nicht, tu dies nicht, wenn das Kind erst mal da ist…. Aber wenige die dir sagen das kenn ich, so ging es mir auch!

    Mich nervt im Moment übrigens am meisten die Pickel, an sämtlichen Körperstellen und das ewige Gerenne ins Bad! Und ja es tut gut mal zu sagen „Es nervt!“ 😀 Und trotzdem freue auch ich mich wie verrückt auf unseren Juli-Traum!

    Alles Gute dir und weiter so!

    1. Hallo liebe Anni,
      das freut mich wenn du schmunzeln musstest. Ich lese so oft nur Berichte über die „Rosarote-Wölkchen-Schwangerenwelt“, dass ich einfach mal loswerden musste, dass es nicht jeder Frau so geht bzw. gehen kann und es doch vollkommen normal ist, dass man manchmal einfach keinen Bock hat – und das nicht bedeutet, man freut sich nicht auf sein kleines Wunder!
      Jaja, diese Pickel – ich kann langsam auch nicht mehr & das schlimme ist, ich glaube es gibt einfach nichts was wirklich hilft, egal wie sehr man sich mit Antipickel-Waschlotions und -Cremes eindeckt – Hormone bleiben nunmal Hormone… :).

      Dir natürlich auch alles Gute & vielleicht hört bzw. liest man sich ja öfter – so von Juli-Mama zu Juli-Mama ;).

  4. Hallo liebe Klaudia, hier dein SS-Zwilling aus dem Forum 🙂 dachte mir ich muss jetzt mal unbedingt seinen Blog lesen, wenn wir uns schon so ähnlich sind! Und siehe da… Wieder fast nur Gemeinsamkeiten ^^

    Wo fange ich nur an? Pickel? Oh ja!!! Ich hatte vorher (nicht mal in der Pubertät) solche Unreinheiten wie jetzt! Ich hab vor meiner SS weder was mit Puder, noch Make up oder gar BB-Cream zu tun gehabt. Und nun? Verbringt man Stunden im dm um irgendwie den eigenen Hautton zu erforschen. Und bei Tageslicht sieht’s dann doch nicht so aus wie im Laden… Ich leide also mit dir 😉
    Der Arbeitsweg ist bei mir mit 50 Min. fast genauso lang. Und Möglichkeiten zwischendurch aufs Klo zu gehen? Ähm nö. :/ Das heißt 30 sek bevor man abdüst nochmal schnell aufs Klo und am besten ne stunde vor dem Heim gehen nix mehr trinken… Und meine Rückenschmerzen nach der Fahrt in der Sbahn wollen wir garnicht ansprechen.

    Es gibt tatsächlich Mitmenschen die schauen dich morgens beim Kaffee (ja einen gönne ich mir so wie du – sonst überlebe ich nicht!) an, als ob du gerade Säure trinkst! Beim Essenskauf von Mozzarella und Co. sollte man am besten vorher schnell eine Vorlesung an der Uni beim Studiengang für Ernährungswissenschaftler besuchen. 😛 und man hat das Gefühl überall ist Salami, Camembert oder lachs drauf :/ am besten die guten Pausenbrote selber schmieren, wie früher Mutti…

    In unserem fortgeschrittenen Alter ist das einölen ja quasi unumgänglich. Hoffen wir das es wirklich was bringt. Und wenn nicht? Dann hat’s wenigstens lecker nach Rosmarin und Zitrone geduftet 😉

    Vielen Dank für deinen tollen Blog, er hat mit den Tag versüßt 😀 und am besten gehst jetzt erstmal zu deinem Chef und sagst ihm, dass du jetzt ne Runde spazieren gehst ;))

    Glg dein SS-Zwilling Jenny (Feval)

  5. Ich finde es ehrlichgesagt erstaunlich dass du noch arbeitest 😀 Ich bin so von Faulheit und Muedigkeit geplagt dass ich bereits im 3. Monat aufgehoert habe weil ich es einfach nicht mehr aushalten konnte.
    Naja in meiner Branche gibts ja auch keinen Mutterschaftsuraub. Gibts den hier in Japan ueberhaupt so wirklich? Bin mir grad nicht so sicher 😀
    Naja ich finde es total interessant wie sich so eine Schwangerschaft bei jedem anders auswirkt. Ich habe bis auf die Schlappheit so gut wie keinerlei Probleme eigentlich obwohls schon fast dem Ende zugeht. Darueber bin ich sehr dankbar da meine Schwaegerin jetzt im 3. Monat nichts mehr tun kann ausser Liegen weil ihr so Uebel ist…
    Ich wuensch dir noch alles Gute weiterhin und werd immer wieder mal vorbei schauen 😉

  6. Sodbrennen fand ich sehr anstrengend. Bist Du bis jetzt davon verschont geblieben, oder habe ich es überlesen? Falls es noch kommt. Heilerde. Super eklig. Aber hilft wirklich. Lieben Gruß aus Berlin, Bettie

    1. Vom Sodbrennen bin ich bisher zum Glück noch verschont geblieben, aber so langsam starten fiese Rückenschmerzen – 8 Std. sitzend auf der Arbeit sind anstrengend geworden mit Beginn des 7. Monats. Liebe Grüße nach Berlin zurück, Klaudia

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