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Die Mär vom Arbeitgeber und den Mamis

Heute möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen. Eine Geschichte die mir sehr am Herzen liegt. Eine Geschichte, die sich so oder ähnlich in meiner Umgebung abgespielt hat. Um die Frauen und den Arbeitgeber zu schützen, habe ich mir für die Erzählung eine besondere Form überlegt. Wenn man so will eine Art Märchen.

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Es waren einmal zwei Frauen. Beide trugen das Herz eines heranwachsenden Menschen im Bauch und waren sehr überrascht von der jeweils anderen zu erfahren, dass diese auch schwanger war und machten sich große Sorgen, denn beide Frauen arbeiteten im selben Betrieb. Es war Zeit in die obere Chefetage zu treten und die Botschaft zu verkünden. Keine leichte Aufgabe. Mit einem Mal waren beide Frauen froh sich zu haben und beschlossen zusammen in die Höhle des Löwen zu gehen. Auf dem Weg klopften ihre Herzen und die Formulierungen ihrer Botschaft wollten auch nicht so recht. Da sagten sie es einfach geradeheraus. Der Chef lächelte sie mit einem Mal an und aus der Angst vor diesem Moment wurde Freude. Umarmungen folgten, der Chef wirkte nicht mehr wie das unüberwindliche Monster, sondern wie ein freundlicher Kollege. Er erzählte selber von seinen drei Kindern und versprach den Frauen, dass sie das Schiff schon schaukeln würden. Erleichtert verließen beide Frauen die Chefetage und konnte voller Vorfreude und Mamigefühle die nächsten besonderen Monate ihres Lebens genießen.

Als nun der Moment gekommen war und beide Frauen ihre Wunder in den Armen hielten, entschieden sie sich für jeweils ein Jahr Elternzeit. Mehr nicht. Nur ein Jahr. Sie bemühten sich die Zeit mit ihrem Kind zu genießen. Klapperten mit Kind und Kegel die umliegenden und auch weiter entfernten Kindertagesstätten ab. Wollten alles richtig machen. Kurz vor dem ersten Weihnachtsfest beider Kinder rief dann die eine Frau bei der anderen an. Ihr wurde gekündigt. Keine Angabe von Gründen. Unpersönlich. Sie brauche nach der Elternzeit nicht wieder zukommen. Verzweifelt wusste die erste Frau nicht was sie tun sollte und wollte zumindest die zweite Frau warnen. Die zweite Frau war geschockt und wusste nicht wie sie darauf reagieren sollte. Hatte nicht der Chef versprochen, dass die drei das Schiff schaukeln würden? Sie riet der ersten Frau alle rechtlichen Mittel zu nutzen. Und hoffte insgeheim bei sich, dass ihr dieses Schicksal erspart bleiben würde.

photo credit: GoErasmus - Infoveranstaltungen via photopin (license)
photo credit: GoErasmus – Infoveranstaltungen via photopin (license)

Drei weitere Monate später. Der Arbeitstag der zweiten Frau näherte sich. Bisher hatte sie keine Kündigung auf dem Tisch liegen. Sie war voller Vorfreude, wieder in ihrem Beruf arbeiten zu können. Ihr Kind war in einer guten Kita untergebracht, es konnte los gehen. Der Papa, Lehrer, konnte den kleinen an einem Tag sogar früher von der Kita abholen und selber ein wenig „Quality-Time“ mit dem Kind verbringen. Die Mama konnte also in aller Ruhe durchstarten. An einem kalten Februartag fuhr sie daher zu ihrem Chef um ihre Arbeitsaufgaben zu besprechen. War sie vorher mit Verantwortungen überschüttet worden, stellte sich heraus, dass er ihr nun alle wieder entzogen hatte. Anstatt ihre alten oder eine gleichwertigen Position im Betrieb zu erhalten, wurde sie degradiert und sollte sich nunmehr mit Dingen beschäftigen, die sie zuletzt in diesem Ausmaß in ihrer Zeit als Werkstudentin in dem Betrieb geleistet hatte – nicht mehr und nicht weniger. Da ihr Arbeitsplatz dazu noch verantwortlich war für die Freizeitgestaltung vieler Einwohner ihrer Stadt und der Umgebung, machte ihr Chef ihr klar, dass sie nicht mehr so wie all die Jahre früher jeden Sonntag ihren festen freien Tag haben könne – vielmehr müsse sie sich nun darauf einstellen, jeden Sonntag bei der Arbeit zu verbringen.

Die zweite Frau war enttäuscht. Hatte sie sich zunächst auf ihre Arbeit gefreut, zwar gewusst, dass sie ihre Aufgaben sicherlich nicht in vollem Ausmaß zurück erhalten wird, jedoch gehofft, dass sie das Schiff, wie ihr Chef versprochen hatte schon schaukeln würden. Jetzt hatte sie allerdings das Gefühl, ihr Chef wolle ihr den früher so geliebten Arbeitsplatz madig machen. Als würde er ihren Arbeitsplatz so unattraktiv machen wollen, dass sie von alleine geht. Als würde er sie loswerden wollen.

Sie will kämpfen. Ein Happy-End ist das nicht.

Schade, dass sie kämpfen muss, denn so bleibt die Moral von der Geschicht: Der Arbeitgeber mag die Mamis nicht.

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9 Kommentare zu „Die Mär vom Arbeitgeber und den Mamis

  1. Ja darauf bin ich bei mir auch gespannt… Im Oktober werde ich wieder arbeiten und ich sehe es schon kommen das ich der Buhmann sein werde.

    Toll geschrieben 🙂

    Lieben Gruß
    Shanice

    1. Vielen Dank 😊. Ich hoffe doch, dass das alles bei dir anders läuft! Es gibt sie ja, irgendwo muss es sie ja geben, die guten Arbeitgeber, die eine Frau nach Rückkehr aus der Elternzeit immer noch als vollwertige Arbeitskraft und nicht nur als Mutter sehen 😊. Schönen Sonntag noch 😊

    1. Naja, natürlich erwarten wir Freundlichkeit & Verständnis. Ich werde die Menschheit dahingehend auch nicht aufgeben. Vor allem werde ich die mir vorhandenen Möglichkeiten immer nutzen um auf sowas aufmerksam zu machen – nichts tun und sich abfinden mit solch einer Ungerechtigkeit ist definitiv der falsche Weg.

  2. Hallo Klaudia,
    meine Meinung dazu kennst du ja, bei mir läuft es ja bereits über einen Anwalt, morgen ist der nächste Termin. Ich gebe die Hoffnung auch nicht auf, denn einige Kommentare unter meinem Artikel zeigen, dass es die Arbeitgeber gibt, die Frauen die Mama geworden sind, genau so akzeptieren und fördern wie kinderlose Angestellte.
    Liebe Grüsse
    Dani „die Glucke“

    1. Ich drücke die Dauen, dass es nicht zu einem riesen Rechtsstreit kommt. Ich finde das immer so traurig :(. Bin gespannt, wie es bei mir mal wird. Mein Plan sind ja 2 Jahre Elternzeit (da gucken meine Kollegen schon a la „Ist die denn verrückt, wer macht heute noch sowas!?“) und mein AG hat ja meine Schwangerschaft auch eher nicht sehr erfreut aufgenommen… Aber ich versuche trotzdem auch eher positiv zu denken (alles andere bringt ja nichts ;)) und wer weiß wohin der Weg mich nach der EZ auch führt :).

  3. Auch wenn es (leider) nicht überraschend ist, finde ich das wirklich schlimm.
    Ich persönlich denke, man muss auch zwischen Kleinbetrieb und einer etwas größeren Arbeitsstätte unterscheiden- ich bin selbst (zusammen mit meinem Freund) Arbeitgeberin in einer Apotheke mit 7 Mitarbeitern- hiervon 4 Mütter in Teilzeit. Das Problem bei uns ist, dass man eben offen haben und die Kunden bedienen muss, d.h. wenn jetzt jmd ausfällt, muss der durch einen anderen (der nicht Dienst hätte!) ersetzt werden.
    Hier ist das Verhalten der Mamis sehr zweigeteilt, 2 davon fallen wegen der Kinder kaum aus, eine andere bleibt wegen jeden Pups zuhause oder weil sie nachts wg. ihrem Kind schlecht geschlafen hat- das ist dann in so einem kleinen Team wirklich schwierig/lästig, weil jemand anders ran muss- aber es klappt immer irgendwie! Trotzdem wäre das nie ein Kündigungsgrund, so etwas fände ich moralisch total daneben.
    Und gerade bei einem etwas größerem Betrieb, wo die Arbeit von den anwesenden Kollegen evtl aufgefangen werden kann oder es jetzt nicht so brisant ist, ob es heute oder morgen erledigt wird, empfinde ich solch ein Verhalten als pure Schikane.

    Ich verstehe rein rational, dass eine Mutter mit Kind als nicht mehr so flexibel gilt, trotzdem kommt es
    a) immer auf das Verhalten der Mutter an (und wie gesagt, ich kenne auch das positive Beispiel der Mütter, die kaum ausfallen und noch für die andere einspringen!)
    b) auf die Qualität der Arbeit an. Und die wird doch (hoffe ich zumindest ;-)) nicht schlechter, nur weil man plötzlich ein Kind hat!

    Im Übrigen ist das ohnehin eine Dauerschleife, wenn das Kind krank ist und keine Omis oder was weiß ich wer zur Verfügung stehen, muss natürlich einer der beiden Elternteile daheim bleiben. Komisch aber, dass das scheinbar von Haus aus immer die Mutter ist und es gar nicht zur Disposition steht, ob heute eben mal der Papa daheim bleibt…und dann sind wir wieder bei einem Grundsatzthema, ob die Arbeit der Frau weniger wert ist als die des Mannes…

    Das wird wohl noch sehr lange ein echt heikles Thema bleiben.
    LG

    1. Huhu, Danke für deinen tollen Kommentar :). Ich finde es auch immer interessant eine AG-Meinung zu lesen. Und ich kann das bei kleinen Betrieben z.B. auch super nachvollziehen – es ist ein schwieriges und leidiges Thema, das stimmt. Und ja, leider ist der Fall nicht überraschend. Und ich habe auch überlegt, ob es was bringt überhaupt was zu schreiben – das alteingesessene Thema wieder durchzukauen – aber ich finde sobald ich mich geschlagen gebe und nichts mehr schreibe mit dem Gedanken „Bringt nichts, gibt’s doch schon tausend Mal und hat sich eh nichts geändert“ ist das eine Art Aufgeben und ich bin der Meinung wir Frauen dürfen bei diesem Thema einfach nie aufgeben :).

      Im Fall der beiden braucht der AG ja nicht mal Angst zu haben, dass sie dauernd ausfällt wegen Krankheit – der Mann ist verbeamteter Lehrer – er kann im Grunde jederzeit wenn sein Kind krank ist heim – er braucht ja nicht so wirklich „Karriereknicke“ zu erwarten… Ich glaube, dass auch eine Rolle spielt, dass die Mama Anfang 30 mit dem ersten Kind in den nächsten Jahren irgendwann natürlich sehr wahrscheinlich auch ein Kind Nr. 2 bekommen wird und der AG sich denkt, besser jetzt schon los werden ächem, raus ekeln :-/.

      Ich befürchte auch, dass es noch sehr sehr lange ein großes und heikles Thema bleiben wird – aber ich möchte auch, dass es nicht an Präsenz verliert, solange sowas noch immer vorkommt, denn für meine kleinen Bauchbewohnerin wünsche ich mir mal bessere Voraussetzungen :).

      Ich wünsche dir eine tolle Woche,
      Klaudi

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