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[Rezension] Die Sache mit der Vereinbarkeit und dem „Geht alles gar nicht“

Sponsored Post Blog KopieEigentlich wollte ich mich zu dem Thema nicht zu Wort melden. Jede schwangere Frau stößt in den Weiten des World Wide Web jedoch irgendwann auf irgendeinen der zahlreichen Artikel und Blogposts zum Thema „Vereinbarkeit“. Wenn ich das Wort schon sehe, schüttelt es mich. Viel zu schwer wiegen die einzelnen Sichtweisen, viel zu oft wird doch vergessen, dass Vereinbarkeit ein stark subjektives Thema ist. Und doch schreibe ich nun dazu. Beziehungsweise, ich rezensiere ein Buch zum Thema. Nach einem Zeit Online-Artikel zum Erscheinen von Marc Borsts und Heinrich Wefings Buch „Geht alles gar nicht“ brannte in mir ein Leseverlangen. Da die zahlreichen Beiträge im Internet überwiegend vom weiblichen Geschlecht verfasst werden, war ich unglaublich neugierig auf die Sichtweise zweier Väter. Wie würden die beiden Vereinbarkeit darstellen? Dachte man doch immer, dass Männer die „Karrieretiere“ der Nation sind, muss ich zugeben, ich war positiv überrascht.

Bildquelle: Cover, Rowolth Verlag
Bildquelle: ebook Cover, Rowolth e-book Verlag

Leseprobe: Geht alles gar nicht

Format: eBook, 240 Seiten
Autoren: Marc Borst & Heinrich Wefing
Verlag: Rowolth Verlag, April 2014

Marc Borst und Heinrich Wefing sind beide Journalisten bei der Zeit und Väter. Und haben eine eigene Meinung zum Thema Vereinbarkeit. Ihrer Meinung nach geht das alles nämlich gar nicht: Job, Kind(er), Liebe. Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke. Die beiden erklären in ihrem Buch warum die Vereinbarkeit eine Lüge ist, was (in ihren Augen) die Folgen dieser Vereinbarkeitslüge und wer denn genau diese „Vereinbarkeitslügner“ überhaupt sind. Die Leser erfahren von den Autoren, was sich in der Politik und der Gesellschaft ändern müsste und wie weit der zu beschreitende Weg tatsächlich noch ist. Gespickt sind die Ansichten der Autoren mit Studien, Interviews und Berichten. Das Buch kann ich jedem (werdenden) Papa und jeder (werdenden) Mama uneingeschränkt empfehlen. Zugegeben, die Darstellung der Vereinbarkeitslüge ist leicht überspitzt, ist doch jeder selber seines Glückes Schmied. Allerdings treffen die beiden Herren doch mehr als einmal den Kern der Sache ziemlich gut: „Sicher, viel von dem Stress, der uns plagt, produzieren wir selbst.“ (Borst, M. und Wefing, H., 2015 [E-Book]: Geht alles gar nicht, Rowolth e-Book; S. 25).

Nach dem Lesen habe auch ich mir ein paar Gedanken zum Thema Vereinbarkeit gemacht:

Warum wird Vereinbarkeit immer gleich mit Karriere in Verbindung gesetzt? Gibt es wirklich niemanden, der einen Job haben möchte, um sein Leben zu finanzieren, aber nicht stetig diese berühmte Leiter hinauf klettern möchte? Wann ist dieser Zeitpunkt gekommen, an dem die Menschen von der „Arbeit um zu leben“ zum „Leben um zu arbeiten“ geschwenkt sind? Vielleicht ist das von mir auch zu blauäugig gedacht, schließlich ist es wahr, dass eine finanzielle Familiensicherung mit nur einem Gehalt schon lange nicht mehr möglich ist und auch nicht erstrebenswert. Welche Frau will heutzutage nur hinterm Herd stehen? Nein, auch mir wäre das bei weitem nicht genug. Aber will ich denn immer und immer höher? Oder reicht mir meine Position für die nächsten Jahre? Hier möchte ich auch noch mal aus dem Buch zitieren: „>>Yolo<< heißt das Schlagwort – you only live once. Man lebt nur einmal. Es ist auch eine Drohung.“ (ebd.; S. 61). Eine Drohung die uns zeigt: Wir müssen alles wollen, wir dürfen nichts „verpassen“…

Das ist natürlich nur ein Aspekt dieser Vereinbarkeitsfrage. Da gehört so viel mehr dazu und genau weil diese Frage so eine komplexe ist, kann sie nicht pauschal für alle beantwortet werden: Es wird immer die Frau geben, die nach drei Monaten ihr Kind zur Tagesmutter bringt und voll in ihrem Beruf aufgeht, es wird genauso immer auch die Frau geben die drei Jahre Elternzeit nimmt und voll in ihrer Mutterrolle aufgeht. Genauso wird es immer die vielen Nuancen dazwischen geben. Tatsache ist: Es muss sich was tun. Es muss sich was tun in unseren Köpfen, in den Köpfen unserer Vorgesetzter, der Politiker, unserer Nachbarn, Familien und Freunden. Wir müssen Entscheidungen treffen: Was wollen wir für uns, für unsere Familie, unsere Partner? Wir müssen miteinander reden und gemeinsame Lösungen finden. Uns füreinander einsetzen, vielleicht auch nicht mehr nur nebeneinander her leben.

Aber vor allem müssen wir endlich aufhören andere für ihre Lebensmodelle zu verurteilen! Denn das empfinde ich als größtes Problem in dieser Vereinbarkeitsdebatte…

Mein Plan zur Vereinbarkeit? 2 Jahre Elternzeit, danach in Teilzeit zurück. Mein Mann arbeitet voll. Er verdient mehr als ich. Er arbeitet in der Stadt in der wir wohnen, hat einen Anfahrtsweg von 15 Minuten, bald nur noch 5 mit dem Rad, während ich mit Straßenbahn und Regionalbahn eine ganze Stunde zur Arbeit brauche. Für uns ist da erstmal die richtige Lösung. Wie sich alles entwickelt, wird die Zeit dann zeigen…

4 von 5 Sternen

***Vielen Dank an den Rowolth Verlag für das eBook***

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Ein Kommentar zu „[Rezension] Die Sache mit der Vereinbarkeit und dem „Geht alles gar nicht“

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