Kino-Welt

[Rezension] Tale as old as time – Disney Die Schöne und das Biest

„Die Schöne und das Biest“ ist DER Film meiner Kindheit. Zugegeben, mittlerweile wurde er von „Rapunzel – Neu verföhnt“ (Tangled) als Lieblingsdisneyzeichentrick abgelöst, aber er hat nie seine Faszination verloren. Die Musik, die Bilder. Die fantasievolle Belle mit ihrem großen, gütigen Herzen, der immerzu optimistische Lumière, sogar Herrn von Unruh möchte man einfach nur knuddeln. Man könnte meinen mit den Realverfilmungen sei ein Traum in Erfüllung gegangen. Disney-Herzen müssen doch höher schlagen – endlich alle Kindheitszeichentrickhelden in real und als echte Menschen auf der Leinwand.

Disney Die Schöne und das Biest Logo

„Just a little change – small to say the least“

Die Geschichte kennt ihr sicher. Die junge Belle lebt mit ihrem Vater in einem kleinen französischen Städtchen. Sie fühlt sich anders, ist nie richtig angekommen. Sie tauscht ihre Freiheit gegen die Freiheit ihre Vaters ein und wird zur Gefangenen eines Biests. Langsam nähern sich die beiden an. Sie beginnt hinter seine Fassade zu schauen, er hört auf sich in Selbstmitleid zu suhlen. Ein verzaubertes Schloss, ein wütender Mob, ein selbstverliebter Schnösel – alles gleich. Und doch auch wieder nicht. Emma Watson gibt Belle ihren eigene Charme. Wirkt die Protagonistin im Zeichentrickfilm bereits selbstbewusst, kippt Emma ihr noch eine gute Portion Emanzipation hinterher. Die Besetzung ist fantastisch: Dan Stevens als das Biest überzeugt! In Luke Evans haben sie den perfekten Gaston gefunden und Josh Gad als sein treuer, in dieser Version des Films schwuler und in ihn verliebter Begleiter LeFou könnte ebenfalls nicht perfekter besetzt worden sein. Und Emma Thompson als Madame Pottine ist ein Traum. Ich liebe Emma Thompson. Alan Menken steuert nicht nur seine Oscar®-preisgekrönte Musik aus dem Zeichentrickfilm bei, sondern hat auch zusammen mit Tim Rice neue Songs für die Realverfilmung verfasst. „How does a moment last forever“ („Ein Augenblick ist manchmal zeitlos“) und „Evermore“ („Ich warte hier auf dich“) haben es mir besonders angetan. „Beauty and the Beast“ von Ariane Grande und John Legend kann ich euch aber auch nur wärmstens ans Herz legen – Gänsehautgarantie pur!

Disney Die Schöne und das Biest - Gaston & LeFou
Gaston (Luke Evans, links) und Le Fou (Josh Gad)

„There may be something there that wasn’t there before!“

Der Film hat Charme, Witz, Gefühl. Er hat auch dieses Fünkchen Magie, welches einfach nur Disneyfilme so richtig besitzen. Aber ich habe tatsächlich etwas gebraucht, um mit ihm warm zu werden. Im Kino hat der Film für mich erst zum Zeitpunkt von Belles Flucht seine Wirkung entfaltet. Zu Beginn konnte ich das „Hogwarts“-Feeling nicht ablegen – jahrelang war Emma Watson nun mal Hermine Granger. Jetzt sollte sie plötzlich Belle sein? Schwer vorstellbar. Aber herrlich lockerleicht von ihr umgesetzt. Tage danach konnte ich noch keine Worte finden, um diese Rezension zuschreiben, den Film zu bewerten. Wie anfangs erwähnt: Er ist das Sinnbild meiner Kindheit. Ich als absoluter Büchernarr konnte mich schon immer mit Belle identifizieren. Ich als Träumerin, die auch mit 31 noch die Schönheit der Welt aus ihrem kindlichen Auge betrachten möchte und kann. Die mit einem Grinsen und Strahleaugen durch einen Disney-Park flaniert und dann beschämt und wortlos vor Cinderella steht.

Disney Die Schöne und das Biest Plakat

„How does a moment last forever – How can a story never die“

Sehr gut fand ich die Hintergrundinformationen zum Biest und vor allem zu Belles Mutter. Das hat den Film enorm aufgewertet. Es gibt allerdings einen Punkt über den ich nicht einfach hinwegsehen kann. Und dieser Punkt ist für mich wirklich wichtig, schwerwiegend sogar. Die Animation der Nebencharaktere. Madame Pottine, Garderobe, Tassilo, Plumette, Herr von Unruh und Lumière waren einfach nicht mehr „meine“. Mir fehlt da einfach die Sentimentalität gegenüber dem Design aus dem Zeichentrickfilm von 1991. Zugegeben, die lustigen Dialoge und wirklich gut besetzten Synchronsprecher haben es teilweise wieder raus gerissen, aber die Zeichentrickversion wird immer meine liebste bleiben.

Disney Die Schöne und das Biest Möbelstücke
Von Unruh, Madame Pottine, Lumière und Plumette

Wer jedoch Angst hat sich einem 130 minütigen Disney-Liebes-Prinz-und-Prinzessinen-Schmacht-Film auszusetzen, dem sei gesagt: Was Marvel in seinen Superhelden-Filmen so gut umsetzt, was Disney auch bei den Pirates of the Caribbean-Streifen gelungen ist, meistern sie auch in dieser Verfilmung grandios: Mit Witz und Charme kreieren sie eine überaus realistische Beziehungsgeschichte. Viele Pointen und ein teilweise herrlich selbstironischer Humor wiegen die manchmal stark romantischen Szenen auf. Hatte man eben noch Gänsehaut vor Rührung, schießen im nächsten Moment schon die Lachtränen in die Augen.

Die Bewertung dieses Films fällt mir diesmal allerdings wirklich schwer. Ich kann ihn euch empfehlen, keine Frage – gewaltige Bilder, rührende Musik und eine bewegende Geschichte – der Film hat alles was ein guter Film braucht. Aber ein wenig weine ich doch der Zeichentrick-Ära nach… Und jetzt schiebe ich eine Bluray in meinen Player – Die Schöne und das Biest aus 1991.

Disney Die Schöne und das Biest - Biest & Belle
Belle (Emma Watson) und das Biest (Dan Stevens)

Habt ihr den Film schon gesehen? Wie fandet ihr ihn? Seid ihr vielleicht genauso gespalten, wie ich?

 

 

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