Bücher-Welt

[Rezension] Mit Kindern Regeln regeln von Ulrike Leubner

Im Dschungel der Erziehungsansätze kann man sich heutzutage mächtig verirren. Ob es da noch einen weiteren Ratgeber braucht? Meine kleine ist jetzt 2 Jahre alt. Der Wahnsinn, wenn ich überlege, dass ich dieses Abenteuer hier auf dem Blog zur Schwangerschaft gestartet habe. Und so langsam kenne ich alle Seiten trotziger Kleinkinder. Inklusive dem Grinsen, wenn ich mal „Nein“ sage und sie sich denkt „Dann erst recht“…


(c) edition claus – Der Verlag mit dem Drachen

Leseprobe: Mit Kindern Regeln regeln

Format: Heft, 66 Seiten
Autor: Leubner, Ulrike
Verlag: edition claus; Auflage: 2., vollständig überarbeitete Neuauflage, Juni 2017


Kinder miteinbinden

Ulrike Leubner hat einen sehr interessanten Ansatz, wenn es darum geht Kinder mit den Verhaltensweisen und Richtlinien unserer Gesellschaft vertraut zu machen: Die Kinder Regeln selber aufstellen lassen. Dabei geht es nicht nur darum, sie einzubinden, ihnen zu erklären warum etwas auf eine bestimmte Art und Weise gemacht wird, sondern sie wirklich aktiv mitbestimmen zu lassen, welche Regeln in welchem Fall angewendet werden sollen. Auch Maßnahmen für Regelverstöße sollen von Kindern selber aufgestellt und im entsprechenden Fall natürlich umgesetzt werden. Das Buch ist kein Regelwerk für uns Eltern, sondern soll vor allem eines: Uns zum Nachdenken und Ausprobieren anregen, uns aus unserer meist autoritären Komfortzone herausholen und versuchen uns aufzuzeigen, dass es manchmal auch andere Wege gibt, die zum Ziel führen.

Ja ich gestehe offen, mein Erziehungsstil fällt für viele sicher in die Sparte „autoritär“. Ich verstecke mich da auch nicht. Ich kann mich persönlich mit vielen anderen Erziehungsstilen einfach nicht identifizieren. Dabei darf aber auch nicht vergessen werden, dass autoritär nicht gleich autoritär ist. Während mir wichtig ist, dass die Maus sich an Regeln hält und diese akzeptiert, auch wenn ihr kleiner Kopf zunächst vielleicht nicht versteht warum, ist es mir ebenso wichtig immer wieder auf Augenhöhe zu gehen und ihr zu erklären, warum es diese oder jene Regel von Mama und Papa gibt. Genauso gibt es aber auch Regeln, die wir ab und an brechen – denn manchmal ist es ok. Aber auch da muss sie lernen, dass manchmal nicht immer bedeutet.

Vor meiner Zeit als Mama war ich eine dieser kinderlosen alles besser wissenden Person. Ich dachte ich hätte die Weisheit der Kindererziehung mit Löffeln gefressen. Dann kam die kleine und es stellte sich heraus: Pustekuchen. Für mich ist der Mamajob ein kontinuierliches learning on the job. Ich kann Bücher wälzen, Ratgeber lesen und muss doch immer wieder schauen, was für uns in welchen Situationen wie passt. Auch wenn der Satz so abgedroschen ist wie manches 80’s Lied: Jedes Kind ist anders und nicht alles passt zu jeder Familie. So, jetzt noch den Bogen zurück schlagen, im Abschweifen bin ich gut. Also, nicht alles passt zu jeder Familie, daher finde ich es gut, dass Ulrike Leubner einen Weg gefunden hat ein Werk zu schaffen, welches absolut nicht rechthaberisch wirkt, sondern begleitend zur Seite steht.

Es wird erklärt was eine Regel überhaupt ist, auch wird darauf eingegangen, wie man jüngeren Kindern eine Regel erklären kann und weiter teilt sich das Buch dann in die unterschiedlichen Möglichkeiten Kinder in die Aufstellung von Regeln mit einzubinden. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf die kleinen, sondern geht auf verschiedene Altersstufen ein – vom Kindergarten, über den Hortbereich, Grundschule bis hin zur Mittelstufe.

Aber bitte nicht alle über einen Kamm scheren…

So gut mir das Werk gefällt, gehe ich jedoch mit einer Ansicht von Frau Leubner nicht konform: Mein Kind ist trotz unseres eher autoritären Erziehungsstiles definitiv nicht unterwürfig, passiv, wenig selbstsicher, wenig neugierig und kontaktarm, sondern das absolute Gegenteil. Denn trotz unserem eher autoritären Ansatz wird sie mit viel Liebe und Verständnis erzogen. Sie darf auch mal nicht hören, sie darf auch mal frustriert sein, wenn etwas so läuft, wie sie es nicht möchte. Sie darf sich über Regeln ärgern, denn auch ich ärgere mich als Erwachsene noch über so manche Regel, die sich mir in den Weg stellt. Und müssen die Kids nicht auch genau damit umgehen lernen? Ich finde den Ansatz wirklich erfrischend und toll. Es ist auch wichtig Kinder in den Alltag einzubinden, sie mit entscheiden zu lassen. Allerdings gibt es hier sicherlich Grenzen, auf die in dem Werk nicht genug eingegangen wird.

Als Leitfaden werde ich sicherlich noch öfter zu „Mit Kindern Regeln regeln“ greifen – denn wie oben schon erwähnt: Ich lerne als Mama jeden Tag etwas neues dazu und kein Tag ist wie der andere. Was gestern noch funktioniert hat, kann heute schon auf taube Ohren stoßen. Da ist solch ein Ratgeber, der zum Nachdenken anregt genau der richtige Begleiter.

Wie sieht es bei euch aus? Wie bringt ihr euren Kids Regeln näher?

 

 

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