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[Kolumne] Abschiebung der kleinen zum Vorteil der großen

Eine neue Kategorie. Jippie. Neben den Buch- und Filmrezensionen soll es nun auch wieder vermehrt Geschichten aus dem Alltag geben. Quasi wie ein Tagebuch meiner überspitzt dargebrachten Erlebnisse und Gedanken. Der Alltag kann zwar manchmal schon ganz schön langweilig sein, aber an anderen Tagen passiert wieder so viel, dass man gar nicht weiß wohin mit den tausendundeins Gedanken. Bis jetzt. Jetzt kommen sie nämlich hierhin. Meine Gedanken zu Begegnungen mit anderen Müttern, meine Gedanken zum Leben als Mama, zum Leben hinter dem Mamasein. Denn eins ist euch ja wahrscheinlich schon länger klar: Nur Mama, das geht hier gar nicht so wirklich.

Für meinen ersten Beitrag habe ich mir ein ganz spezielles Thema ausgesucht. Könnte etwas kontrovers werden. Also schnallt euch an: Abschiebung der kleinsten zum Vorteil der größten.

Oder wie ich es auch gerne nenne: Endlich mal wieder Mann & Frau statt Mama & Papa.

Dieses Jahr waren wir auf sage und schreibe fünf Hochzeiten eingeladen. Jahaa, ganz schön hochzeitswillige Freunde haben wir da. In der heutigen Zeit des schnellen Partnerwechsels, der noch schnelleren Trennungen und Scheidungen in meinen Augen etwas wirklich lobenswertes. Chapeau liebe Leute, dass ihr euch trotz den ganzen negativen Stimmen noch traut (see what I did there ;)) und die Wahrscheinlichkeitsrechnungen über die Dauer eurer Ehe einfach ignoriert.

Unsere kleine Maus ist jetzt 2 und mir war direkt klar: Wenn es mit der Oma klappt, dann kommt sie auf keine dieser fünf Hochzeiten mit. Schnell mit dem Mann abgesprochen, abgenickt, alles klar. Oma ist auch bereit. Und ich höre nur noch wie sich die Sekt- und Gin Tonic-Gläser füllen, wie mir die Musik im Ohr dröhnt, wie ich in Ruhe eine Krokette nach der nächsten in meinen Mund stopfe, ohne dass sie mir vom Teller stibitzt werden. Egoistisch sagt ihr? Gesunder Selbsterhaltungstrieb sage ich!

Ich bin in ausgedehnter Elternzeit und sehr gerne Mama.

Ich schäume über vor Liebe, wenn ich meine Maus nur sehe und frage mich mit vor Stolz platzender Brust, wie ich so etwas tolles nur vollbringen konnte. Jeden Tag. Wirklich. Naja, gut. Nicht ganz jeden Tag. Wenn die Trotzphase mal wieder zum richtigen Endgegner wird, dann frage ich mich eher, wie ich mir sowas „tolles“ nur antun konnte. Aber ich schweife ab. Und trotz all dieser Liebe, dieser unbändigen, unzerstörbaren Liebe bin ich manchmal einfach nur froh, wenn ich wieder allein sein kann. Und damit meine ich nicht das typische Alleinsein während des Mittagsschlafs, oder wenn die Abendruhe eingeläutet wird, sondern dieses wirklich wirkliche Alleinsein, dass es seit 25 Monaten kaum noch gibt. Dieses Alleinsein mit dem Partner in dem es nur uns beide gibt. In dem nicht der eine den anderen erinnern muss, dass das Kind eine neue Windel braucht, dass das Kind was trinken muss, dass das Kind jenes oder dieses. Und dieses Alleinsein, nennen wir es mal schön „kindfrei“, dieses kindfrei genieße ich bis zur letzten Sekunde. Es ist ein Stück altes Leben, mit der Vorfreude wieder ins neue zurück zukommen. Es ist Energie sammeln auf ganz neuer Ebene. Was früher normal war, ist heute Auszeit, ist heute Wellness und Urlaub vom Alltag.

Aber damit ich mich nicht gänzlich unbeliebt mache, verschweige ich wohl lieber, dass diese Abschiebung auch gut und gerne mehr als eine Nacht dauern kann, manchmal zwei, manchmal drei ;). Was für mich Erholung ist, ist für sie im Übrigen Spaß. Denn die Zeit bei der Oma ist einfach etwas ganz besonderes!

Hand hoch: Für wen ist dieses temporäre kindfrei manchmal genauso eine Erlösung, wie für mich? Lasst mich jetzt ja nicht im Stich, Mamas und Papas ;).

 

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2 Kommentare zu „[Kolumne] Abschiebung der kleinen zum Vorteil der großen

  1. 😀 Liebe Klaudia, ich gehe hier voll mit.
    Als „junge“ Mama war ich froh, wenn Oma und Opa sagten: Das Wochenende nehmen wir die Kiddis mit. Das hieß dann Ausschlafen, machen worauf wir Lust hatten.
    Jetzt als Oma bin ich natürlich für meine Tochter da und nehme ihr die Maus ab. Da wir beide in der Pflege arbeiten, eben öfter als „normal“. Aber gerne. 🙂
    Ich kann nur für andere Menschen da sein, wenn ich auch ein gewisses Maß an Selbstpflege betreibe. Und das kann in diesem Fall auch mal: Kinderfrei heißen. 😉
    LG JJacky

    1. Liebe JJacky, genauso sehe ich das aus, deine letzten zwei Sätze spiegeln genau wieder worum es mir auch geht. Ich finde es nur immer so schade, dass viele es nicht als Selbstpflege, sondern als Egoismus ansehen… Danke für deinen tollen Kommentar! Und schön, dass du dich als Oma so engagierst! Solche Omas braucht die Welt nämlich :), ein schönes Wochenende, Klaudi

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